Theresa Lachners Weg zur erfolgreichen Sex-Bloggerin: Buchtipp “Lvstprinzip”

Ich bin so vor den Kopf gestoßen, dass ich erst gar nicht weiß, was ich sagen soll. Bisher war ich eigentlich immer naiv davon ausgegangen, dass man nur mit Menschen schläft, die man irgendwie geil findet. Moritz aber erklärt mir jetzt, dass es Teil seines spirituellen Wachstums gewesen sei, zur Abwechslung auch mal einen Körper wie meinen als orgasmisch zu akzeptieren. Von meiner Leibesfülle sei er ja zunächst ziemlich abgestoßen gewesen, aber beim OM (Orgasmische Meditation, Anmerkung der Redaktion) hätte er gelernt, dass jede Frau orgasmisches Potenzial habe, egal wie sie aussehe. Ach so.

»Ich bin grade fünfmal gekommen, fühlt sich relativ funktional für mich an.«

Es liegt wohl entweder daran, dass ich Journalistin bin, oder irgendwo tief in mir drin doch versteckte masochistische Züge habe, dass ich ihn jetzt frage, warum er mir das eigentlich gerade erzählt.
»Ich will dir helfen! Willst du nicht auch einen funktionalen Körper?«
»Was bedeutet das denn? Ich bin grade fünfmal gekommen, fühlt sich relativ funktional für mich an.«
»Ja, dass du einen Handstand machen kannst zum Beispiel.«
»Ach so? Mach du doch mal einen.«
»Nee, jetzt grad nicht.«

Moritz, der normalerweise vom Kampfsport total durchtrainiert ist, ist gerade selbst etwas außer Form, was ihn unangenehm in seine Nerdiges-dickes-Kind-Jugend zurückzuversetzen scheint – und anscheinend dazu führt, dass er stattdessen einfach mich reparieren will.

Ich wäre ehrlich gesagt nicht mal im Traum darauf gekommen, über so einen Scheiß überhaupt nachzudenken. Weder über Moritz’ Körper noch über meinen. Wie ein Körper aussieht, hat ja nichts damit zu tun, wie er sich in Kombination mit meinem anfühlt und was er so kann. Ich jedenfalls habe noch nie vom Anblick eines Waschbrettbauchs einen Orgasmus bekommen. Im Gegenteil: so ein bisschen Haariger-Bauchansatz-an-Klitoris-in-Reiterstellung – voll der Orgasmus-Lifehack. Darüber sollte Tim Ferriss mal Bücher schreiben. So aufgepumpte Muskel-Ottos lösen bei mir eher Wegrennreflexe aus. Ich frage mich dann immer, was er damit in der unteren Körperhälfte kompensieren will.

Ich habe einen Körper, der sagt: »Ich hab halt auch noch was anderes zu tun als Gym heute«. Spazieren gehen zum Beispiel, oder Vanillecroissants essen.

Und genau so sehen die Körper aus, die ich mag: bewohnt und lebendig, nicht zwangsoptimiert. Klettererkörper. Fußballerkörper. Spazierengehkörper. Genießerkörper. Ein bisschen Zuviel will ich kneifen, ein bisschen Zuwenig füttern. That’s it. Wenn ich einen Körper mag, mag ich ihn und nicht die paar Kilo mehr oder weniger, die er gerade wiegt. Bis jetzt war ich davon ausgegangen, dass das bei allen Menschen so funktioniert.

Ich weiß, dass ich selbst nicht wahnsinnig dünn bin, fand mich aber auch noch nie übertrieben fett. Stinknormal halt.

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